Eine persönliche Vorstellung vom Eintritt in eine Welt, die nach dem Tode wartet. Wie der Mensch als Seele weiterlebt - alleine für sich und ebenso als Gemeinschaftswesen.

Padiesischer Seelenzustand

Seelentanz in der Menge

Vor dem Tod fürchte ich mich nicht, ich hoffe, das Sterben geht schnell. Mein Körper bleibt hier, ich werde froh sein, ihn los zu sein, denn er weist Mängel auf und ist schwach geworden.

Das, was von mir bleibt - ich nenne es Seele - macht sich auf die Suche. Erst aber treffe ich die anderen. Die vor mir gegangen sind. Mit einigen muss ich mich noch versöhnen. Durch ein großes und leuchtendes Portal muss ich treten, um zu ihnen zu gelangen. Ich entscheide mich nicht dafür, es gibt nur diese Ebene. Ich schwebe, niemand hält mich auf oder stellt sich mir in den Weg, aber wenn ich mich umdrehe, ist hinter mir nichts. Also gehe ich vorwärts, ich sehe schemenhafte Gestalten, die aber konturenlos sind, ohne erkennbare Persönlichkeit. Es sieht aus wie auf einem Marktplatz oder bei einer Großveranstaltung: dicht an dicht verschwimmende Silhouetten. Merkwürdig, alle scheinen an einem festen Punkt zu stehen, trotzdem sieht es aus, als seien sie in Bewegung. Ich fühle mich ganz leicht. Es kommt mir vor, als würde ich in eine große Gemeinschaft aufgenommen, wo man mich in Frieden lässt.

Ich lasse mich von der Menge von hier nach da tragen, die Bewegung ist gleichmäßig gleitend wie beim Tanz. Ein Seelentanz, aber das denke ich nicht, wenn ich tot bin, das denke ich nur voraus. Im Jenseits aber oder in der Zwischenwelt werde ich auf andere Seelen stoßen - ich glaube, es reicht, wenn ich mit denen zusammentreffe, die mir im Leben wichtig waren. Oder aber mit denen, wo ein Versäumnis bestand, von denen ich mich nicht verabschieden konnte.

Wiedersehen mit alten Bekannten

Irgendwann werden die mich umwogenden und umtanzenden diffusen Gestalten vereinzelt ein Gesicht zeigen - oder wir werden uns anders erkennen. Vielleicht kommunizieren wir innerlich über die Sprache, die wir als Erdlinge hatten. Ich werde erfahren, wo meine nächste Aufgabe liegt. Ich besitze kein Zeitgefühl mehr, ich brauche weder Schlaf noch Pausen.

Irgendwann ist mein Vater bei mir, er ist Jahrzehnte vor mir gestorben. Ich erkenne ihn an seiner Stimme, äußerlich ist er genau so ätherisch wie alle anderen, trotzdem weiß ich, nur er kann es sein. Es geht ein Sog von ihm aus, seelisch-geistig, so habe ich es schon als Kind empfunden. Wir umarmen uns mental. Er übernimmt die Führung, ganz ohne Autorität, aber er weist mir Wege. Er lehrt mich, dahin zu schauen, woher ich komme. Ich sehe meinen entseelten Leib, er war nur ein Teil von mir. Ich finde einen Weg, meinen Liebsten zu besuchen und zu trösten.

Nichts bleibt mir verwehrt, wenn ich nur noch Seele bin, aber ich werde auch gar keine Wünsche oder Begierden mehr haben. Ich werde das tun, was zu tun ist. Es gibt keine Alternativen, keine Entscheidungszwänge, aber auch keine Kompromisse und keine Lügen mehr. Es gibt nur noch Transparenz und keine Aggressionen. Trotzdem werde ich Anleitung haben. Seelen sind füreinander da, aber sie lassen sich auch in Frieden und mischen sich nicht ein. Paradiesische Zustände!