Wie bei vielen anderen Menschen ist auch meine persönliche Jenseitsvorstellung ganz stark von der Bibel geprägt. Statt des "Himmlischen Hochzeitsmahls", von dem im Neuen Testament immer die Rede ist, habe ich mir immer eine ähnliche Gemeinschaft wie bei uns zu Hause am Sonntag Mittag vorgestellt: Die ganze Familie - Vater, Mutter und fünf Kinder - sitzen rund um den Tisch, auf dem ein leckerer Schweinebraten mit Rotkohl steht. Es wird viel gelacht und erzählt, alle sind glücklich und zufrieden, und der Montagmorgen ist noch ganz, ganz weit entfernt.

Liebe nach dem Tod

Zusammentreffen mit alten und neuen Bekannten

So schlicht wie damals ist meine Jenseitsvorstellung heute natürlich nicht mehr, aber immer noch kann ich mir den Himmel nur als innige Gemeinschaft vorstellen, die aber im Gegensatz zur irdischen Familie oder einem kleinen Freundeskreis die gesamte Schöpfung umfasst: Nicht nur alle Menschen, die je in der Vergangenheit gelebt haben oder in Zukunft noch leben werden, sondern genauso die Tiere, die Pflanzen und was es sonst noch in irgendwelchen fernen Welten geben mag.

Die Liebe ist ein himmlisches Gefühl

Einen kleinen Vorgeschmack auf den jenseitigen Zustand bekommen wir meines Erachtens in diesem Leben schon, wenn wir verliebt sind. Wer erinnert sich nicht daran, wie verzaubert die ganze Welt erscheint, wenn man jemand liebt? Und wer wüsste nicht, wie kalt und leer auf einmal alles ist, wenn das geliebte Wesen nicht mehr da ist oder sich die Gefühle füreinander verändert haben und aus Liebe Gleichgültigkeit geworden ist? Der eigene Gemütszustand entscheidet darüber, ob das Leben als eine solche Bereicherung empfunden wird, dass man sich wünscht, dass es ewig so bliebe. Unsere Gedanken entscheiden über Himmel und Hölle, über Glück und Unglück!

Meine Jenseitsvorstellung hat also nichts mit einem Ort zu tun, den ich jenseits der Wolken lokalisiere, sondern sie ist eher eine Seelenverfassung, in der ich so rein und aufnahmefähig geworden bin, dass mein ganzes Wesen nur noch aus Liebe besteht und ich endlich auch die Mitgeschöpfe als Ausdruck der Liebe Gottes erfassen kann. Der zentrale Punkt, an dem sich alle und alles einmal in dieser Liebe erkennen werden, ist "am Herzen des Vaters", wie es in der Bibel einmal beschrieben wird. Ein Jenseits ohne den dreifaltigen Gott kann ich mir absolut nicht vorstellen, und an einem Jenseits, das nur eine Fortsetzung des Diesseits an einem anderen Ort ist, habe ich auch gar kein Interesse.

Sicher kennen viele die herrliche Geschichte vom "Münchner im Himmel" der dort zu seiner Enttäuschung nicht nur auf sein geliebtes Bier verzichten muss, sondern auch noch dazu verdonnert wird, täglich stundenlang zu frohlocken und Halleluja zu singen!

Wenn es aber in Wirklichkeit so ist, dass man vor lauter Freude und Glück gar nicht anders kann, als zu jauchzen und zu singen? Vielleicht ähnlich wie ein kleines Kind, das scheinbar ganz grundlos fröhlich ist und den ganzen Tag umherspringt? Wenn Gott wirklich unendlich groß ist und er uns unsagbar liebt, dann kann ich mir ganz gut vorstellen, dass wir von dieser Erkenntnis so erfüllt sein werden, dass wir in der ganzen Ewigkeit nicht ans Ende kommen mit Danken und Singen! Ich will in diesem Leben schon mal damit anfangen.

Dieser Text stellt die persönliche Ansicht des Verfassers über die Welt nach dem Tode dar. In der Blog-Kategorie "Kreative Jenseitswelten" werden regelmäßig neue Autoren beauftragt, ihre persönlichen Vorstellungen mitzuteilen, wie das Dasein nach dem Leben aussehen könnte.