Tod und Jenseits sind wohl die größten Tabus in unserer Gesellschaft. Ich hatte schon ganz oft den Wunsch mit alten Menschen darüber zu sprechen, mit welchen Empfindungen sie leben, so kurz vor dem Tod. Habe mich das aber nie getraut.

Ewiges Wachstum

Wenn ich sterbe, finde ich mich in einem ähnlichen Kontext wieder wie im jetzigen Leben. Hier bin ich in eine bestimmte Familie, einen bestimmten Ort, ein bestimmtes Land hineingeboren. Ich habe also einen festen Rahmen, innerhalb dessen ich mich entfalten kann. Etwas Ähnliches stelle ich mir nach dem Tod vor.

Der Tod ist für mich kein Ende. Auch nicht das Ende vom Leben. Ich glaube, dass das Leben weitergeht. Alles ist zwar anders, aber es endet nicht. Das würde für mich einfach keinen Sinn machen. Hier im Leben stellen wir uns täglich tausende von Fragen, die wir niemals beantworten können. Wissenschaftler, Theologen, Philosophen und Esoteriker versuchen, die Geheimnisse des Universums zu entschlüsseln. Das Ergebnis ist immer das gleiche: Jede Antwort wirft neue Fragen auf. All dieses Forschen und Wissenwollen kann doch nicht einfach mit dem Tod zu Ende sein. Das würde doch überhaupt keinen Sinn machen. Ich bin sicher, dass ich danach alle Antworten bekomme. Auf mich wartet eine höhere Ebene und ich kann das Universum aus einer anderen Perspektive betrachten. Das führt dazu, dass ich Erkenntnisse erhalte, die ich als Mensch gar nicht erkennen konnte.

Durch das Universum schweben

Der Tod ist auch nicht nur ein neuer Anfang. Er ist eine Zwischenstation. In dieser Umgebung, diesem Zustand ist alles leicht. Alles Schwere ist von mir abgefallen. Ich schwebe und alles um mich herum schwebt. Ich habe keinen Körper mehr, aber ich spüre, dass ich noch immer ich bin.

Es dauert eine Zeitlang, bis ich mich an den Zustand gewöhnt habe. Wobei auch Zeit in diesem Raum jede Bedeutung verloren hat. Ich schwebe durch das All, und mir kommen bekannte Wesen entgegen. Da, mein verstorbener Hund Timi. Auf Erden habe ich ihn heiß geliebt. Sein Weggang war schmerzhaft. Jetzt schwebt er an mir vorbei. Wir erkennen uns. Wir nehmen uns gegenseitig wahr. Mehr ist hier nicht wichtig.

Viele, sehr viele Wesen, die ich auf der Erde kannte, schweben mit mir im Raum. Auch ehemalige Personen, die mir im Leben sehr zugesetzt haben, kommen mir entgegen. Es gibt keine negativen Empfindungen mehr. Sie wollen mich nicht mehr verletzen, und ich habe keine Angst mehr vor ihnen. Wir alle sind hier, um unser ehemaliges Leben zu verarbeiten. Wir fangen an zu verstehen, warum wir so und nicht anders gelebt haben.

Selbst Leuten, die gemein zu einem waren, kann man nichts mehr nachtragen. Hier hat das alles seine Gültigkeit verloren. Es geht nur noch um höhere Einsicht. Das Ego hat in dieser Umgebung keine Berechtigung mehr. Im Leben auf der Erde war es wichtig, damit man sich als Mensch und Individuum empfinden konnte. Aber jetzt braucht es keine Individuen mehr. Jetzt sind wir Wesen, die ihre Erkenntnisse gemeinsam in eine Art Pool einwerfen. Aus all diesen Erfahrungen, die Menschen je gemacht haben, wird neue Energie gewonnen und jedem Neugeborenen mitgegeben. Denn jede Generation erklettert eine neue Stufe der Erkenntnis. Nur so hat die Menschheit eine Chance, sich weiterzuentwickeln. Wir, die Gestorbenen, sind also immer noch wichtig, um diese Welt am Laufen zu halten.

In diesem Zustand, also dem nach meinem Tod, bin ich in der gleichen Lage wie als Mensch. Es handelt sich wieder nur um eine Zwischenstation. Mein Bewusstsein ist mir geblieben.

Neue Erfahrungen liegen außerdem auf einer höheren Ebene als früher. Und ich weiß, dass auch diese Zeit ein Ende haben wird. Danach werde ich erneut auf eine höhere Ebene katapultiert. Nur dass man diese wohl nicht mehr als "Tod" bezeichnen wird. Hier, in diesem Zwischenstadium habe ich eine ähnliche Aufgabe wie als Mensch. Ich muss neue Erkenntnisse sammeln, die ich dann später in einer neuen Dimension wieder umsetzen werde.

Ich habe aber auch eine Wahl. Wenn es mir zu schwierig ist, alle meine Lebenserfahrungen hier zu verarbeiten, dann kann ich wieder zurück zur Erde und Mensch werden. Jetzt, wo ich mich hier befinde, weiß ich wieder, dass ich diese Wahl schon etliche Male getroffen habe. Jedes Mal, wenn ich wieder gestorben war, war ich mir sicher, diesmal alles gelernt zu haben. Aber erst hier, in dieser neuen Welt, wird mir bewusst, was ich noch zu lernen habe.

Jetzt bin ich aber erst angekommen. Ich werde sehen, zu welchen Erkenntnissen ich diesmal komme.