Vieles ist zum Thema Jenseits bereits verfasst worden. Die verschiedenen Glaubens- und Religionssysteme vermitteln unterschiedliche Bilder vom Leben nach dem Tode. Die exakten Wissenschaften halten sich hingegen noch etwas zurück, lediglich die Parapsychologie hantiert mit vagen Vermutungen. So ist jeder Mensch gezwungen, sich ein eigenes Bild von der jenseitigen Welt zu machen oder diese komplett zu bestreiten.

Dasein in der anderen Sphäre

Als ich anfing, mich für die "Dinge hinter den Dingen" zu interessieren, war ich sehr von der christlichen Religion beeinflusst. Dennoch trugen auch andere Überzeugungen, auch esoterische, zu dem heute für mich wahrscheinlichsten Bild bei, denn ein roter Faden zeiht sich durch alle Jenseitsvorstellungen. Dieser liegt in erster Linie in dem Erkennen des eigenen Kerns, der die eigentliche Seele bildet. Das Leben in der anderen Dimension scheint sich von dem im Diesseits nicht wesentlich zu unterscheiden. Dass wir im Glauben sind, im Jenseits völlig körperlos zu sein, ist möglicherweise nur auf den Umstand zurückzuführen, dass wir die Sphäre wechseln. Etwaige "Blitzlichter" von dort erscheinen uns daher immateriell und spukhaft, was umgekehrt mit ziemlicher Sicherheit ähnlich empfunden wird.

Der Tod stellt kein Ende dar, sondern lediglich eine Reinigung von unnötigem Ballast. Zu diesem Unrat gehört nicht nur der Körper, der uns ein Leben lang mit Schmerzen drohte, sondern auch Erinnerungen und mental-emotionale "Schreckgespenster". Im Leben gemachte Erfahrungen werden dabei auf ihre Essenzen reduziert, die ausschließlich noch das Verständnis ihres Lehrgehalts beinhalten. Aus diesem Grunde wird ein höheres Gericht, das über unsere Sünden urteilt, ebenso wenig existieren wie die gefürchtete Hölle. Die Bestrafung findet daher lediglich in unserem eigenen Geist statt, und der Betreffende leidet unter der Erkenntnis, nicht recht gehandelt zu haben.

Entfaltung als individuelle Persönlichkeit

Gott wird dem Menschen auch in der jenseitigen Welt kaum begegnen. Seine Existenz ist in meinen Augen zwar sicher, doch seine persönliche Offenbarung ist schon deshalb nicht notwendig, weil seine Zeichen überall zu sehen sind - auch in diesem Leben. Es ist daher unerheblich, ob der Verstorbene religiös war oder nicht. Viel interessanter sind die Motive, aus denen er gehandelt hat. Eine gute Tat, die ohne frommen Hintergrund vollbracht wird, führt zu weniger Leid als böse Taten gläubiger Menschen.

Das Jenseits kann keine durch Tod getrennten Familien wieder zusammenführen, wenn auch die geliebten Menschen anwesend sind. Man denke dabei nur an Frauen, die nach dem Hinschied ihrer Männer erneut heirateten. Beide Männer wären später der Überzeugung, auch im Totenreich einen Anspruch auf ihren Platz an der Seite der Frau zu haben. Ebenso können Mütter nicht darauf bestehen, mit ihren Kindern unter einem Dach zu wohnen, da diese sicherlich lieber bei ihren eigenen Familien wären. So kann es sich bei dem jenseitigen Leben lediglich um ein individuelles, freies Dasein handeln, wobei jedoch die Möglichkeit besteht, jederzeit seine Liebsten zu besuchen. Gegenseitige Liebe und Hilfsbereitschaft sind dabei selbstverständliche Güter.

Ewiges Wachstum

Die größte Pflicht, die der Verstorbene auch im Jenseits noch hat, besteht weiterhin im Lernen. Je mehr und je intensiver er dieser Aufgabe nachkommt, desto schneller steigt er spirituell auf. Hierbei ist es ihm durchaus möglich, Zeit und Raum zu überwinden und dabei einen Blick zurück ins Diesseits zu werfen (was hin und wieder "hierzulande" als Geistererscheinung wahrgenommen wird). Seinen Fortschritt kann er dabei jederzeit an seiner Umgebung erkennen: Während sich kurz nach dem Tode die jenseitige Welt von der diesseitigen auch optisch kaum unterscheidet (lediglich die Giftstoffe sind nicht mehr vorhanden), so wird das Umfeld des ständig Studierenden ihm mit der Zeit immer lichtvoller erscheinen. Am Ende seines Weges steht das grenzenlose Licht, und in diesem mag er womöglich tatsächlich Gott finden. An diesem Punkt hat die Seele nichts mehr mit dem Menschen zu tun, den wir in diesem Leben noch kennen. Er wurde längst zu seinem göttlichen Ursprung zurückgeführt.