Religion und Kirche

Wie stelle ich mir das Jenseits vor? Diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Denn meine Vorstellung von dem, was nach dem Tod folgt, hat sich über die Jahre immer wieder verändert.

Nichts

Als Kind glaubte ich an das "Nichts". Ich wuchs in einer nicht religiösen Familie auf und hatte somit keinerlei Berührungen mit Glauben, Tod und Jenseits. Bis ich eines Nachts weinend aufwachte - ich muss etwa acht Jahre alt gewesen sein - und meine Mutter fragte, was mit mir nach dem Tod geschehe. Ich hatte schlecht geträumt und nun Angst. Da meine Mutter selbst nie religiös war, versuchte sie mich mit den Worten zu beruhigen: "Nichts mein Kind. Du brauchst keine Angst haben. Da ist nichts. Und du spürst auch nichts." Aber diese Worte beruhigten mich nicht. Ich konnte mir das Nichts nicht vorstellen.

Als Jugendliche begann ich, mir Trost zu suchen und übernahm gängig existierende Klischees.

"Natürlich gibt es ein Leben nach dem Tod, die Engel beweisen es doch" - dachte ich mir.

Ich sammelte alles, was mit Engel zu tun hatte. Ich malte Engel, ich bastelte Engel. Ich wollte, dass ein Schutzengel um mich herum war, der auf mich aufpasste. Ich wollte so sehr an etwas glauben, dass nicht "Nichts" war. Denn das "Nichts" machte mir immer noch Angst.

Als junge Frau begann ich, mich irgendwann ernsthaft mit verschiedenen Glaubensvorstellungen zu beschäftigen. Ich wusste langsam, dass der Glaube an Engel ein Griff nach einem Strohhalm war. Weniger aus Angst vor dem "Nichts", vielmehr aus nun sich ernsthaft entwickelnder Neugier, hinterfragte ich nun meine Vorstellung von Glauben, von Gott, von Tod und vom Jenseits. In meinem Freundeskreis befanden sich zwei Pfarrer, einer katholisch, einer evangelisch. Ich unterhielt mich mit beiden lange, teilweise über Nächte hindurch über diese Themen. Ich konnte ihrem Glauben aber nicht folgen - Himmel und Hölle war für mich absurd. Ein Himmelstor, an dem die Seelen anklopfen, ein Gott, der meine Sünden verzeiht? Ich war mir sicher, der Einzige, der mir verzeihen musste, war ich selbst. Ich glaubte nicht an Gott. Aber ich glaube nach wie vor auch nicht an das "Nichts".

Individualisierte Religionsvorstellungen

In den folgenden Jahren entwickelte ich daher meinen eigenen Glauben, der sich nicht mit irgendeiner Kirche vereinbaren lässt. Begebenheiten bestärkten mich darin, ebenso das immer stärker werdende Gefühl, hochsensibel zu sein. Ich glaubte und glaube an Energie. Menschen sind Energie, zwischen Menschen existiert Energie und auch nach dem Tod existiert Energie. Man kann sie übertragen, man kann über weite Entfernungen hinweg Energiebrücken aufbauen, man kann sie über den Tod hinaus spüren. Danach bildet sich auch meine heutige Vorstellung vom Jenseits.

Es ist kein klar definierter Raum, denn Energie kann überall sein. Das Jenseits hat keine Grenzen, es hat die unendliche Freiheit. Es ist größer, als das Universum, das sich doch bewiesenermaßen ausdehnt. Das Jenseits ist größer, als alles Vorstellbare in unserer Welt. Und in ihm existiert unsere Energie weiter. In unendlicher Freiheit breiten wir unsere Energien aus, mit Bewusstsein, in einem weißen, nebligen unendlichen Raum. Ja, vielleicht bildlich gesprochen, fliegen wir als Energie wie Engel durch diesen unendlich weiten Raum. Vielleicht gleiten wir auch wie Vögel durch die Luft, mit dem Blick nach unten, nach vorn, nach hinten, nach rechts - je nachdem wo sich das Diesseits gerade erhebt. Viele Begebenheiten aus den letzten Jahren lassen mich inzwischen fest daran glauben: Wenn es notwendig ist, kann unsere Energie aus dem Jenseits heraus ins Diesseits eingreifen und unerklärliche Dinge hervorrufen. Ein verstorbener Freund besuchte mich, als ich ihn brauchte - ich spürte seine Energie.

Daher weiß ich heute: Das Jenseits existiert und auch Engel existieren, nur anders, als ich sie als Jugendliche gemalt hatte.