Das jenseitige Schlaraffenland

Wünsche werden erfüllt und Sehnsüchte wahr. Nach dem Tode erhält der Mensch Gelegenheit, all die Dinge nachzuholen, die ihm auf Erden verwehrt blieben. Das können natürlich auch Freuden sein, die er bereits zu Lebzeiten geliebt hat und im Jenseits nun noch zügelloser genießen möchte.

Traumwunderland

Die verstorbene Person befindet sich in einer Art astralen Traumsphäre. Sie kann diesen Ort betreten, kann aber gleichfalls darauf verzichten und zu neuen Ufern aufbrechen.

Womöglich ist sie in dieser Traumsphäre das einzige menschliche Bewusstsein und alles um sie herum Fantasie. Oder sie erlebt den Schlaraffenland-Zustand gemeinsam mit anderen Menschen, die ähnliche Interessen haben. Beides wäre vorstellbar.

Hier geht es darum, körperliche Freuden so richtig zu genießen. Es gibt kaum Tabus. Nun hat man Gelegenheit, sich nochmal auszutoben, in einer Art und Weise, die auf Erden nur mit großem Aufwand möglich gewesen wäre. Alle Gelüste können erlebt werden. Begriffe wie Dekadenz, Luxus, Sinnlichkeit, Schlemmerei, Rausch und Ekstase vermitteln eine Vorstellung von dem, was hier auf einen wartet.

Ausgelebt werden vor allem körperliche und materielle Herzenswünsche. Herbeigezauberter Reichtum kann hier ebenso das Herz erfreuen wie romantische Nähe oder gar die Illusion von Zuneigung und Liebe.

Segen und Fluch

Das Verweilen in dieser Sphäre ist Balsam für die Seele. Von all den Entbehrungen in der irdischen Wirklichkeit kann nun endlich profitiert werden. All die entstandenen Wünsche, auf die mangels Geld, Gesundheit oder Gelegenheiten verzichtet werden musste, lassen sich nun zu genüge auskosten. Egal ob man um die Welt reisen, in einer Villa am Strand oder in einer Berghütte wohnen möchte, alles geschieht genau auf die Art und Weise, wie man das gerade möchte. Kein Wunsch wird offengelassen, es sei denn neuere und attraktivere nehmen seinen Platz ein.

Nach so einer Phase lässt sich das Leben auf Erden friedvoll abschließen. Nur viele Verstorbene möchten sich aus diesem Zustand nicht mehr losreißen. Doch dann würde sich diese Welt in eine Falle verwandeln. Es mag zwar ein Schlaraffenland sein, aber es ist nicht real, nicht das echte Leben nach dem Tod, sondern ein sehr lebendiger Tagtraum.

Das Bewusstsein würde sich irgendwann kaum noch weiter entwickeln. Es gibt keine Aufgabe, keine Herausforderung, nur die schlichte Befriedigung von Begierden. Auch ein Wiedersehen mit geliebten Menschen verschiebt sich durch diesen Aufenthalt. Selbst wenn man ihnen schon vorher begegnet sein sollte, hat man mit ihnen wahrscheinlich noch viel mehr zu besprechen und zu planen.

Die große Prüfung in diesem Traumwunderland besteht darin, sich irgendwann davon loszureißen. Es ist die Einsicht, erst einmal genug genossen zu haben, zu der man hier kommen muss. Dass diese Entscheidung die einzig Richtige ist, steht außer Frage. Hier lebt man in der irdischen Vergangenheit. Sie ist die Grundlage für all diese offenen Wünsche. Vor einem liegt aber eine wesentlich attraktivere Zukunft, die noch ganz andere Freuden zu bieten hat, als sich der Geist das momentan vorstellen kann.