Die Jenseitsvorstellung der nordamerikanischen Indianer enthält sowohl Elemente der Reinkarnation (entweder als Mensch oder Tier) in einem himmlischen Jenseits, als auch die Idee von Geisterwesen. Sie steht im Einklang mit anderen nomadischen Jagdkulturen, denen das Leben nach dem Tod eine Fülle von Spielen verspricht. Fast alle Indianerstämme glauben an ein Weiterleben nach dem Tod. Der Ausdruck "Ewige Jagdgründe" ist vermutlich eine Begrifflichkeit der eingewanderten weißen Bevölkerung, um das indianische Glaubenskonzept zu benennen. Die Ureinwohner bezeichnen das Jenseits eher als "Glückliche Jagdgründe" (Happy Hunting Ground).

Ewigen Jagdgründe der Indianer

Spirituelle Weltsicht im Einklang mit dem Leben

Nach der allgemeinen Weltsicht der nordamerikanischen Indianer hat alles einen Geist; Bäume, Felsen, Flüsse und jeder Mensch. Dies begründet die Existenz eines Jenseits.

Es gibt eigene spirituelle Tänze wie den Sun Dance und den Ghost Dance, die die Geister der Toten zurück ins Leben holen sollen. Irokesen, Cherokee oder Algonquians leben oft noch heute im Kontext mit ihren komplexen Glaubensvorstellungen, wonach die Seele des Verstorbenen in die Welt der Geister gerufen wird. Der Tod selbst stellt somit eine Brücke zwischen dem Leben der Sterblichen und dem Jenseits dar.

Die Algonquians nehmen an, dass jeder Mensch und jedes Tier zwei Seelen hat. Die körperliche Seele oder der Schatten ist mit dem Herz verbunden und versorgt das Individuum mit einem Gedächtnis und Intelligenz. Sie bleibt nach dem Tod für immer beim Körper. Auf der anderen Seite wird die freie oder "echte" Seele mit dem Gehirn assoziiert. Im Leben ist dieser Seelenbestandteil mit den Empfindungen und Erfahrungen eines Menschen verbunden. Die Algonquians glauben, dass die freie Seele während des Schlafes oder in Trance wandern kann und sie sich nach dem Tod auf die lange Reise ins Jenseits begibt.

Die Ewigen Jagdgründe liegen nach Vorstellung der Indianer weit weg im Süden oder Westen und werden mitunter auch als "Big Sand/ Großer Sand" bezeichnet. Es wird allgemein angenommen, dass dies ein angenehmer Ort ist, die Seelen dort jedoch keine Erinnerungen an ihre frühere Existenz hätten. Dieses Jenseits ähnelt der lebendigen Welt, aber mit besserem Wetter und Tieren, die reichlich vorhanden und leicht zu jagen sind.

Vielfältige Ausprägungen der indianischen Jenseitsvorstellung

Die Indianer sind in ihren Glaubensvorstellungen zum Leben nach dem Tod nicht einig. Einige nehmen an, die Seelen hätten es nicht nötig zu essen, während ein anderer Teil die Ansicht vertritt, sie äßen faules Holz. Andere wiederum sind der Meinung, dass die Seelen Fleisch essen, das sie auf der Jagd nach Tiergeister erlegt haben.

Der Stamm der Sioux glaubt, dass nach dem Tod der Geist der verstorbenen Person nur in die ewigen Jagdgründe eingeht, wenn diese nicht skalpiert wurde. Die Cheyenne sind der Ansicht, dass die vom Körper gelösten Seelen über die Milchstraße in das Geisterreich von Heammawihio übergehen.

Die Comanchen dagegen stellen sich die Ewigen Jagdgründe als üppiges Tal vor, in dem Schmerzen und Sorgen keinen Platz haben.

Die Irokesen glauben, dass die Seelen als Schatten unter den Lebenden bleiben würden.

Die Illinois gehen davon aus, dass die Seele zu einem seligen Ort reist, der jenseits eines großen Flusses liegt.

Das geistige Reich ist auch eine allgegenwärtige Facette des Lebens innerhalb des Lakota-Stammes. Die Stammesmitglieder erkennen den Tod zwar als das Ende der physischen Manifestation auf dem Planeten an, sehen darin jedoch nicht das Ende der individuellen Präsenz in der Gemeinde. Die Seele steigt auf, während der Körper stirbt. Die Annahme eines Übergangs in eine intensivere Stufe des Daseins, wo die Seele eine große Hilfe für die Gemeinschaft sein kann, ist das Herzstück des Glaubenssystems der Lakota.