Der Glaube an ein Leben nach dem Tod spielt in allen Religionen eine zentrale Rolle. Die Jenseitsvorstellung im Hinduismus basiert auf der Idee der Seelenwanderung. Nach dem Tod zieht die Seele (Jiva) in einen anderen Körper, wobei diese im Gegensatz zum Leib unsterblich ist. Wohin die Seelenwanderung geht, hängt von der Lebensweise im Diesseits (Karma) ab.

Jenseitsvorstellung Hinduismus

Ist der Mensch gut und wohltätig, so ist auch sein Karma gut. Seine Seele gelangt in eine angesehene und höhere Lebensform, idealerweise in einen gesunden und gutaussehenden Körper, geboren von einer angesehenen Mutter. Jedes Dasein ist also die Folge der vorangegangenen Biographie. Die Seelenwanderung nach dem Tod wird allerdings nur so lange stattfinden, bis der Mensch die Weisheit erreicht hat, über die Vergänglichkeit des irdischen Lebens hinwegzusehen. Das wichtigste Ziel ist es, dem sogenannten "Samsara", das heißt dem Kreislauf aus Geburt, Tod und Wiedergeburt, zu entfliehen und in die "Brahma-Welt" einzutreten. Diese ermöglicht ein vollkommenes Dasein, womit alles ein Ende hat.

Das Kastensystem

Dem Kreislauf des Samsara kann nicht jeder entfliehen. Hier spielt das hinduistische Kastensystem die Hauptrolle. Dieses Kastensystem gliedert die indische Gesellschaft hierarchisch. Nur die Mitglieder der obersten Kasten können die Erlösung erlangen.

Das sind die Brahmanen, die eine intellektuelle Elite darstellen, die Ksatryas, welche früher Fürsten waren und heute oft Beamte sind, und die Vaishyas, welche als Grundbesitzer und Händler zu irdischem Erfolg kamen. Den Mitgliedern der untersten Kaste, den Shudras, bleibt zumindest in diesem Leben die Hoffnung auf die Erlösung verwehrt. Sie können sich nur gemäß ihres Standes so vorbildlich und tugendhaft wie möglich verhalten, um in eine höhere Daseinsform hineingeboren zu werden.

Über die einzelnen Kasten wacht das Dharma, ein kompliziertes Konstrukt an Vorschriften religiöser und sittlicher Natur. Für jede Kaste gibt es ein eigenes Dharma. Darin enthalten sind genaue Regeln, wie man sich zu verhalten hat, wenn man im nächsten Leben auf einer höheren Stufe geboren werden möchte. Die Verhaltensregeln des Dharma sind dabei umso strenger, je höher die Kaste ist. Ein Brahmane hat also strengere Vorschriften zu befolgen, als ein Angehöriger der Shudra-Kaste. Ob und wann dem ewigen Kreislauf entronnen wird, ist für einen gewöhnlichen Hindu nicht absehbar, selbst wenn er zu den höheren Kasten gehört.

Meinungen zu dem Leben nach dem Tod

Die Jenseitsvorstellung im Hinduismus ist nicht immer gleich. Es gibt unterschiedliche Strömungen innerhalb dieses Glaubens. Über die Erlösung vertreten manche Schulen des Hinduismus die Meinung, das Individuum könne sein Heil nicht allein erreichen kann und müsse deshalb an einen Gott glauben. Eine Kombination aus Liebe, Glaube und Eigenleistung bringt dann die langersehnte und vollkommene Erlösung. Auch was den Zustand betrifft, in dem die Erlösung erlangt werden kann, herrscht Uneinigkeit. Die einen behaupten, nur durch den Tod kann der Mensch das ewige Heil erlangen. Andere meinen, sie könnten den Zustand des vollkommenen Heils und damit die Erlösung auch über Askese und ausgiebige Meditation erzielen, was beim Yoga praktiziert wird.

Das Yoga besteht aus acht Stufen. Die ersten zwei Stufen dienen dabei allein der Vorbereitung. Erst die letzte Stufe der Meditation ermöglicht das Aufhören jeder materiellen Aktivität und des Denkvermögens. Dadurch wird der Meditierende frei von der Materie und der Weg ist geebnet, um in die "Brahma Welt" einzutreten. Sehr wenige schaffen das allerdings.

Unterschied zum Buddhismus

Wenn es um den Glauben an ein Leben nach dem Tod geht, unterscheidet sich der Hinduismus vom Buddhismus in einen wichtigen Punkt. Der Buddhismus kennt keine Seele im herkömmlichen Sinne. Statt einer Seele gibt es da eine Zusammenkunft von Daseinsfaktoren im Menschen.

Diese sind Körper, Empfindungen, Wahrnehmungen, Triebkräfte und Bewusstsein. Ein "Ich" existiert nicht. Alles ist im Wandel, das Leben ein Kreislauf. Statt einer Seelenwanderung findet im Buddhismus eine echte Wiederverkörperung statt.