Die Babylonier waren eine der ersten Kulturen, die ihr religiöses Weltbild und ihre Vorstellung vom Jenseits aufgezeichnet haben. Natürlich sind diese Vorstellungen noch etwas archaischer als jene der Römer oder Ägypter. Da es sich um eine sehr frühe Kultur handelt, sind auch deutlich weniger Informationen erhalten geblieben, als über etwas jüngere Völker der Antike. Heute wissen nur noch wenige Menschen, wie sich die Babylonier das Leben nach dem Tod vorstellten.

Jenseitsbild Babylon

Babylonische Religion

In der Glaubensvorstellung des alten Babylons befindet sich die Erdscheibe im Zentrum eines großen Salzmeeres. Damals wussten die Menschen noch nicht, dass die Erde eine Kugel ist, und sahen sie deshalb als flache Scheibe, wie es auch in Europa bis zur Renaissance üblich war.

Laut der Religion der Babylonier gibt es über der Erdscheibe mehrere Himmel, welche allesamt eine eigene Funktion innehaben. Der Herrscher des obersten Himmels ist An, der höchstrangige Gott Mesopotamiens. Der unterste Himmel gilt als Sternenhimmel. Wie der Name bereits verrät, befinden sich an diesem Himmel die Sterne, die auch bei Nacht die Erdscheibe erleuchten.

Laut der babylonischen Jenseitsvorstellungen wird der Himmel von einem riesigen Ozean, bestehend aus Süßwasser, getragen. In diesem Ozean soll die Gottheit Ea leben. Unter dem Ozean befindet sich die Unterwelt, die mit der Hölle zu vergleichen ist. Sie wird auch als Schattenwelt bezeichnet, in der dunkle Götter herrschen.

Turm zu Babel

Vielen Menschen ist der Turmbau zu Babel vor allem durch Überlieferungen wie etwa der Bibel bekannt. Eine Theorie besagt, dass die Menschen mit dem Turm bis zum obersten Himmel gelangen wollten. Um dieses Ziel zu erreichen, musste der Turm erst einmal den untersten Himmel, den Sternenhimmel, erreichen, um anschließend den großen Süßwasserozean zu überwinden.

Das Reich der Toten

Die Babylonier hatten eine sehr große Ehrfurcht vor ihren Göttern und lebten im Normalfall sehr religiös. Böse Menschen hatten damit zu rechnen, nach ihrem Tod in die Schattenwelt einziehen zu müssen. Die Menschen ehrten ihre im Vergleich zum Christentum eher strengen Götter und strebten danach, sich an die aufgestellten Regeln zu halten, damit nach dem Tod keine qualvollen Bestrafungen warteten. Wenn die Menschen in ihrem irdischen Leben dagegen keine schlechten Taten ausübten, so hatten sie den Zorn der Götter nicht zu fürchten und konnten sicher sein, nach dem Tod in einer Art Himmel existieren zu dürfen, in dem es Glück und Frieden gab.

Gilgamesch Epos

Die Sage von dem babylonischen König Gilgamesch und dessen Freund Enkidu ist eines der ersten bekannten literarischen Werke dieses Planeten.

Gilgameschs Freund Enkidu stirbt überraschend. Auch aus Angst, einem ähnlichen Schicksal zu erliegen, macht sich der König auf die Suche nach einem Weg, dem Tod zu entrinnen. Seine Reise führt ihn bis in die Unterwelt, wo er das sogenannte Gilgameschkraut erhält, das Unsterblichkeit verleihen soll.

Diese babylonische Heldenreise kann als ein bewusstes Wahrnehmen des individuellen Todes verstanden werden. In noch früheren Kulturen dürfte der Mensch das Sterben des Einzelnen weniger dramatisch aufgefasst haben, wohl auch weil man das Schicksal einst kollektiver verstanden hatte. Trotz des Todes eines Einzelnen lebte der Stamm oder das Volk weiter. Das Gilgamesch-Epos ist ein Hinweis, dass sich der Mensch zunehmend Gedanken um das einzelne Schicksal, das Sterben des Individuums und somit das Jenseits machte.