Im antiken Römischen Reich herrschte der Glaube an ein Leben nach dem Tod. Es wurde sowohl von der Existenz einer "Insel der Glückseligkeit" ausgegangen, als auch von dem "Reich der Schatten", einer Unterwelt ohne Freude.

Unterwelt Rom

Jenseitsvorstellungen im alten Rom

Hinweise, die den Glauben der Römer an ein Leben nach dem Tode belegen, ließen sich unter anderem in Gräbern finden. So wurde manchen Verstorbenen Speisen sowie Teller und Becher ins Grab gelegt. Letztere sollten es den Verblichenen ermöglichen, an den Totenmahlen teilzunehmen, die an den Totengedenktagen zelebriert wurden.

Ein weiteres Indiz für die römische Jenseitsvorstellung sind die Münzen, die in den Gräbern der Bestatteten gefunden wurden. Diese waren für den Fährmann Charon gedacht, um die Fahrt über den Fluss der Unterwelt zu bezahlen. In Gräbern von Frauen und Mädchen fand man überdies Schmuckstücke. Manche Grabbeigaben bezogen sich auch auf die Berufe der Toten.

In der Frühzeit des Römischen Reiches führte man primär Feuerbestattungen durch, später dann auch Bestattungen des Körpers. Dies kann als Hinweis verstanden werden, dass die Römer später vermehrt daran glaubten, dass ein intakter Körper für den Übergang in das nächste Leben wichtig ist.

Die Jenseitsvorstellung der Römer und Griechen hat viele Gemeinsamkeiten. So war das Elysion für die Griechen ebenso bedeutungsvoll wie für die Römer, die diesen Ort Elysium nannten. In der Mythologie lag die "Insel der Seligen" am äußersten westlichen Rande des Erdkreises und wurde von der mythischen Gottheit Okeanos als Strom umflossen. In der Jenseitsvorstellung beider Kulturen gelangten von den Göttern geliebte Helden nach ihrem Ableben in diese "elysischen Gefilde". Späteren Dichtungen zufolge verlegte man das Elysion in die Unterwelt. Dort wurde es zu dem Ort, an dem die Totenrichter würdig befundenen Verstorbenen einen Aufenthalt gewährten.

Die römische Unterwelt

Auch wenn die antiken Römer weltlichen Genüssen durchaus zugetan waren und das Materielle schätzten, machten sie sich Gedanken um das nächste Leben und hatten dabei eine konkrete Jenseitsvorstellung. Danach wurde der Römer oder die Römerin nach dem Ableben von Geisterwesen zum Fluss Styx geleitet. Mit der mitgegebenen Münze könnte Charon für die Überfahrt über den Fluss der Unterwelt bezahlt werden.

Danach ging die Reise weiter, vorbei an Zerberus, dem dreiköpfigen Hund des Gottes der Unterwelt. Nun musste der Verstorbene vor drei Richtern Rechenschaft über seine Taten ablegen, als er noch unter den Lebenden weilte. Im Anschluss wurde ihm Wasser vom Fluss Lethe gereicht. Diese Flüssigkeit ermöglichte es ihm, sein vergangenes Leben zu vergessen. Als Held oder Krieger gelangte der Verstorbene zu den elysischen Feldern. Führte man ein Leben in Güte, konnte ein Platz in der Ebene von Asphodel winken. Dort wurde den Toten weiterhin ein gutes Dasein ermöglicht, wenn auch nur als Schatten.

Wurden jedoch beispielsweise die Götter - wie auch immer - beleidigt, war dem Toten der Tartarus sicher. Hier bestraften ihn die Furien so lange, bis die Schuld an der Gesellschaft beglichen war. Dies konnte sich über einen längeren Zeitraum hinziehen. Die ewige Verdammnis gab es in der römischen Glaubensvorstellung allerdings nicht. Die Dauer der Bestrafung war begrenzt und richtete sich nach der Schwere des Verbrechens.

Im Gegensatz zum antiken griechischen Glauben war eine Rückkehr aus der Unterwelt in das Reich der Lebenden möglich. Wurde der Verstorbene beispielsweise feige ermordet, konnten Dis und Persephone - König und Königin der Unterwelt - ihn über den Styx zurück ins Leben schicken, nachdem er vom Wasser des Vergessens getrunken hatte.