Die alten Griechen stellten sich das Leben nach dem Tod ähnlich wie die Römer vor. Nach dem Tod musste die Seele des Verstorbenen, nachdem sie vom Götterboten Hermes dorthin geführt wurde, einen dunklen Fluss namens Styx überqueren. So kam sie in die Unterwelt.

Damit dieser Übergang gelang, wartete am Ufer des Styx der Fährmann Charon darauf, die Seelen über den Fluss zu bringen. Um den Fährmann zu bezahlen, wurde den Toten zwei Münzen auf die verschlossenen Augen gelegt, sobald der Leichnam verbrannt oder beerdigt wurde. Teilweise wurden die Münzen auch auf den Mund gelegt. Mit der Bezahlung des Fährmanns war es der Seele möglich, in den Hades zu gelangen. Konnte der Obolus nicht gezahlt werden, war die Seele dazu verdammt, bis in alle Ewigkeit am Ufer des Flusses zu verharren.

Unterwelt Griechenland

Jenseitsbild der alten Griechen

Hab und Gut im Jenseits

Der Jenseitsglaube der antiken Griechen besagte, dass die Toten bei ihrer Beisetzung im Besitz von einigen Teilen ihres Hab und Gutes sein sollten, damit es ihnen in der Unterwelt nicht an Wohlstand fehlte. Diese Grabbeigaben waren vor allem bei höher gestellten Bürgern eine Selbstverständlichkeit. Arme Bürger mussten oftmals ohne jeglichen Besitz in das Jenseits eintreten und konnten froh sein, wenn ihre Hinterbliebenen Münzen aufbringen konnten, um die Überquerung des Styx überhaupt zu ermöglichen.

Wesen der Unterwelt

Der Eingang zum Hades wurde bewacht, denn es war Sterblichen strengstens verboten, diesen zu betreten. Erst recht durfte er nie wieder von einem Toten verlassen werden.

Dafür sorgte der Höllenhund Zerberus. Dieses Ungetüm besaß drei Köpfe und galt als sehr aggressives Wesen. Hades, der Bruder des obersten Gottes Zeus, war der Herrscher in der Unterwelt. In den Vorstellungen der antiken Griechen war Hades ein erbarmungsloser Gott, der keine Gnade kannte. Der Totengott war bei der Bevölkerung gefürchtet, da er als Feind der Menschen galt und diese regelrecht verabscheute.

Die drei Ebenen des Hades

Im Elysion, der obersten Ebene, durften Helden und Heilige unter paradiesischen Bedingungen verweilen. In dieser Ebene erstreckten sich weite Blumenwiesen. Der Nektar aus dem Fluss Lethe war in der Lage, die Erinnerung der Menschen zu löschen, sodass diese Seelen eine entspannte Zeit vor sich hatten und sich keine Sorgen machen mussten.

Das Reich der Schatten stellte die mittlere Ebene dar. Hierher kamen die Seelen, welche zu Lebzeiten weder positiv noch negativ aufgefallen sind und eher ein ruhiges Leben führten. Diese Seelen durften nur noch eine Zeit lang im Reich der Schatten weiterexistieren. Nach dieser Zeitspanne lösten sie sich einfach auf und verschwanden für immer.

Der schrecklichste Teil des Hades war nach den Jenseitsvorstellungen der antiken Griechen der Tartaros, die unterste Ebene. Der Tartaros galt als Ort für sämtliche Sünder und Verbrecher. Wer hier landete, war auf Ewigkeiten verloren. Der Tartaros lag hinter einer dicken, unüberwindbaren Eisenmauer an einem brennenden Fluss. Diese beiden Hindernisse machten es den Seelen unmöglich, aus dem Tartaros zu fliehen. Alle Seelen, die ihre Ewigkeit hier verbringen mussten, wurden mit fürchterlichen Qualen konfrontiert, welche sie täglich zu ertragen hatten.

Auch aufgrund dieses strengen Bildes von einem Leben nach dem Tod waren die meisten Bürger darauf bedacht, ein ehrliches und sündenfreies Leben zu führen, damit ihre Seelen nach Möglichkeit in der mittleren Ebene landeten. Das Elysion war für einen normalen Sterblichen kaum zu erreichen, es sei denn, er hatte eine Heldentat vollbracht, was aber nur sehr wenigen gelang.