Jenseitsvorstellungen

Wie geht es nach dem Tode weiter? Diese Frage dürfte den Menschen bereits seit Beginn seiner Denkfähigkeit beschäftigen. Die Jenseitsvorstellung ist vermutlich die erste religiöse Regung überhaupt. Denn mit dem Tod wurde der Mensch schon immer konfrontiert.

In den unterschiedlichen Kulturen dieser Erde sind mehrere Modelle entstanden, die sich mit dem beschäftigen, was danach kommt. Einige davon gehören inzwischen der Geschichte an, während andere noch heutzutage ein fester Bestandteil des Weltbilds von Millionen Menschen sind.

Jenseitsvorstellungen der Religionen und Kulturen

Mysterium des Todes

Ein verstorbenes Wesen stellte in den frühen Zeiten des Menschen sehr wahrscheinlich ein noch größeres Mysterium dar, als heutzutage. Damals hatte man noch keine Medizin, die einen körperlichen Tod feststellen konnte. Auch waren die religiösen oder philosophischen Vorstellungen von dem, was danach kommt, noch sehr unterentwickelt vorhanden. Dementsprechend bildeten sich um die dringende Frage nach dem Leben jenseits des Todes die ersten Religionen.

Man braucht sich nur den Glauben der alten Ägypter mit ihren Mumifizierungen und Pyramiden ansehen, um zu erkennen, welchen Stellenwert der Totenkult früher im Bereich des Glaubens einnahm. Doch auch in späteren Philosophien, vom Buddhismus bis hin zum Christentum, ist leicht erkennbar, welche zentrale Rolle die Jenseitsvorstellung spielt. Sie gibt nicht nur Antworten auf die Frage, was danach kommt, sondern war und ist selbst im Diesseits ein disziplinierendes Element.

Gesellschaftliche Funktion der Welt danach

Im Grunde will nach dem Tode niemand für seine schlechten Taten bestraft werden. Setzt man sich mit den Jenseitsvorstellungen der verschiedenen Religionen und Kulturen auseinander, ist überraschend oft festzustellen, dass "gute" Menschen nach ihrem Ableben belohnt werden, während "schlechte" die Quittung für ihre Handlungen erhalten. Normalerweise wird ein Weiterleben in einer besseren Welt in Aussicht gestellt, oder auch das Ende irdischen Leids. Auf der anderen Seite droht die Auslöschung der Existenz und Folter für all jene, die wirklich bösartig waren. Hier wird die Religion als ein Mittel eingesetzt, das Menschen zu einem konformen und sozialverträglichen Verhalten bewegt. Wer Schlechtes tut, mag der weltlichen Rechtssprechung vielleicht entgehen, doch nicht der göttlichen.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Vergleicht man die Bilder, die sich all die Kulturen und Religionen vom Jenseits gemacht haben, lassen sich grundlegende Abweichungen wie Ähnlichkeiten feststellen.

Die Unterschiede liegen meist im Weltbild begründet. Dieses kann gütiger oder strenger sein und bietet oft eine ganz eigene Idee davon, auf welche Art das Bewusstsein oder die Seele weiterlebt.

Gemeinsam haben die verschiedenen Jenseitswelten die Bekenntnis zu einer feinstofflichen Welt, die Glück und Erlösung in Aussicht stellt. Oftmals ist es diese Aussicht, die den Menschen ausreichend Kraft schenkt, all den irdischen Widrigkeiten entgegenzutreten.