Aufgeklärte Menschen wundern sich bis heute, dass die Jungfrau Maria den Worten des Engels sofort Glauben schenkte, ohne Beweise zu verlangen. Dazu muss man die jüdischen Traditionen und Schriften kennen. Maria war ein Mädchen von etwa zwölf bis vierzehn Jahren. Das war damals zwar auch jung, doch viele der Mädchen heirateten in diesem Alter bereits.

Maria Engelbesuch

Sie ist aufgewachsen mit der Prophezeiung, dass eine Jungfrau ein Kind erwarten wird. Sicher waren zu dieser Zeit viele Mädchen der Ansicht, sie könnten den Sohn Gottes empfangen haben. Es war eine herausragende Rolle, die diese Jungfrau zu übernehmen hatte.

Natürlich wird es nicht leicht für sie, nicht umsonst begibt sie sich für eine ganze Weile in die Obhut ihrer Cousine Elisabeth, doch sie erahnte die Bedeutung dieses Kindes. Es ist also eine Ehre, sich dem Drängen Gottes zur Verfügung zu stellen. Bis heute ist es jüdischer Glaube, dass die Jungfrau ein Kind empfangen wird. In dieser Weltreligion ist der Sohn Gottes noch gar nicht geboren worden. Manche erwarten seine Geburt also noch immer.

Es sind diese Bedingungslosigkeit und das Gottvertrauen, wovon wir beeindruckt sind, wenn Marias Name fällt. Sie hinterfragt nicht, ob der Engel Recht hat. Sie nimmt an, was für sie bestimmt ist, ungeachtet dessen, was ihr das im weiteren Leben einbringt. Und wer das Ende Jesu kennt, der weiß dass auch Maria ihren Anteil am Leid ertragen muss.

Maria ist ein Symbol für die Hingabe an etwas, woran man mit ganzem Herzen glaubt. Das kann ein Kind sein, aber auch eine Idee, eine Vorstellung vom Leben, wie wir es uns wünschen. Nicht umsonst nutzen wir in unserer Sprache bis heute den Begriff, dass man mit etwas schwanger geht. Wir müssen uns auf die großen Dinge des Lebens gut vorbereiten, aber vor allem müssen wir hinter dem stehen, was wir tun wollen. So wie Maria sein Leben lang und über den Tod hinaus hinter Jesus gestanden hat.