Da ist er wieder, der Verkündigungsengel. Und er kommt nicht zu König Herodes oder zu den Priestern oder anderen hochgestellten Persönlichkeiten Jerusalems, nein, er erscheint bei den Ärmsten der Armen. Beim Blick auf die Hirten wird schnell klar, dass sie auf der untersten Gesellschaftsstufe stehen. Sie haben keinen Besitz, die Schafe, auf die sie achtgeben, gehören nicht ihnen. Sie erfüllen eine Aufgabe, die niemand gerne übernehmen will. Sie bewachen das Vieh der Reichen und tun das Tag und Nacht. Dabei tragen sie auch noch Verantwortung für die Herde. Keines der Tiere darf ihnen abhandenkommen, denn sie müssen für die Verluste einstehen. Das ist kein besonders beliebter Job, wie man sich denken kann.

Offenbarung

Und ausgerechnet hierher kommt der Engel. Kein Wunder, dass die Hirten die Lichtgestalt fürchten. Heißt es vorher bei den biblischen Begegnungen immer: "Fürchte dich nicht vor dem Auftrag", klingt es nun eher so, als sage die Gestalt: "Vor mir müsst ihr keine Furcht haben. Von mir kommt nur Gutes, das ihr zuerst erfahren sollt!"

Und die Hirten lassen sich von der Begeisterung anstecken. Sie lassen alles stehen und liegen, sie vergessen die Konsequenzen. Sie erkennen, dass dieses winzige Kind für Menschen wie sie in diese Welt hineingeboren wurde.

Wann haben wir uns schon einmal so begeistern und anstecken lassen? Wann sind wir einfach aufgebrochen, um nach etwas zu suchen, das uns versprochen wurde? Ein wirklich furchtloses Völkchen sind sie, diese Hirten, die dem Engel Glauben geschenkt haben. Dafür werden sie belohnt. Sie sind die Ersten, die das Kind sehen, die den Chor der Engel hören dürfen. Am Ende ihres Wagnisses steht eine Offenbarung.