In dieser alttestamentarischen Geschichte begegnen wir zum ersten Mal einem Engel, der mit Namen genannt wird.

Tobit ist ein gerechter Mann, der die Toten seines Volkes begräbt, obwohl das den Einwohnern Ninives verboten ist. Das wird ihm mehrfach zum Nachteil. Eines Nachts, als er dem Verbot zuwiderhandelt, muss er vor den Toren der Stadt bleiben. Während er schläft, fällt ihm der Kot zweier Sperlinge in die Augen, sodass er erblindet. Nun ist er, der so vielen geholfen hat, selbst auf Hilfe angewiesen. Seine Frau Hanna akzeptiert das nur ungern. Sein Sohn Tobias würde Tobit gerne helfen.

Der Wegbegleiter

Dieser schickt ihn auf eine Reise, um bei einem Freund Geld abzuholen, das dieser ihm schuldet. Doch diese Reise ist sehr gefahrvoll und der Vater trägt Tobias auf, sich einen geeigneten Gefährten zu wählen. Tobit vergewissert sich der untadeligen Herkunft des Begleiters und Rafael und Tobias ziehen los. Nach kurzer Zeit gelangen sie an einen Fluss, aus dem ein großer Fisch springt. Rafael empfiehlt Tobias, den Fisch zu fangen und sagt, er solle Herz, Galle und Leber verwahren. Den Rest verspeisen die beiden.

Auf ihrem langen Weg kommen sie bei einem Verwandten Tobits vorbei. Er hat eine Tochter, der schon sieben Männer vor dem Ehevollzug verstorben sind. Rafael gibt Tobias zu verstehen, dass er Sara heiraten soll, doch sie ist angeblich von Dämonen besessen. Er folgt dem Rat, in ihrer Gegenwart Leber und Herz des Fisches zu verbrennen, das vertreibt den Dämon tatsächlich. Nun wird Hochzeit gehalten und Tobias bittet Rafael, inzwischen für ihn bei Gabael das Geld einzutreiben. Er befürchtet, dass die Eltern sich um ihn sorgen, wenn er zu lange ausbleibt. Rafael erledigt die Angelegenheit für ihn.

Als er mit dem Geld zurückkehrt, machen sie sich gemeinsam mit Sara auf den Heimweg. Kurz bevor sie Ninive erreichen, schickt der Engel Tobias voraus. Er soll die Augen des Vaters mit der Fischgalle bestreichen, um die Blindheit zu heilen. Beide Eltern sind froh, den Sohn gesund wiederzubekommen, eine Schwiegertochter und viel Geld dazu. Sie wollen sich bei Rafael bedanken und ihn reich belohnen. Dieser gibt sich als (einer der sieben) Engel zu erkennen, der keine Belohnung will und sie bittet, stattdessen in ihren Gebeten Gott zu danken. Und als sie beten, ist er auch schon verschwunden und lässt die Familie allein zurück.

Was ist der Kern dieser langen Geschichte aus dem Leben von Tobit und Tobias? Der Engel verbirgt sich hinter der Gestalt des Rafaels. Er steht Tobias in allen Gefahren und Belangen zur Seite, ohne dass er eine Gegenleistung dafür erwartet. Er kümmert sich um die Schulden, befreit Sara und heilt Tobit. Wohin aber sollen die Menschen nun mit ihrer Dankbarkeit?

Dazu trifft der Engel eine deutliche Aussage: Sie sollen laut und für alle sichtbar ihrem Gott danken, weil dieser Rafael gesandt hat. Dieser Dank könnte so aussehen, dass man Anderen hilft. Als Vorbild dient dabei Rafael, der Hilfe leistet, ohne eine Gegenleistung zu verlangen, sondern einfach weil er gebraucht wird.