Im Buch Genesis begegnet uns zum ersten Mal ein Engel, der entschieden in das Leben eines Menschen eingreift. Wir können ihn den richtungsweisenden Engel nennen. Doch sehen wir einmal, in welchem Zusammenhang dort von ihm geschrieben steht.

Richtungsweisender Engel

Abraham und seine Frau Sarai sind schon lange verheiratet, doch die Ehe blieb kinderlos. Nun haben beide ein Alter erreicht, in dem nicht mehr mit einer Empfängnis gerechnet werden kann. Die einzige Möglichkeit, noch einen Erben zu bekommen besteht darin, dass Abraham eine der Mägde schwängert und diese ein Kind auf dem Schoß der Herrin gebiert. Zum Dank dafür wird die Sklavin später freigelassen und erhält Geschenke, so bestimmt es das jüdische Recht.

Sarai schickt ihren Mann zur Magd Hagar, die aus Ägypten stammt. Es dauert nicht lange und die Frau ist schwanger. Damit aber verliert sie auch die Achtung vor ihrer Herrin, hält sich für etwas Besseres, weil diese keine Kinder empfangen kann. Das Verhalten der Magd ärgert Sarai so sehr, dass sie Abraham bittet, einzugreifen. Er aber schiebt die Verantwortung auf Sarai ab, die danach besonders hart mit der Frau umgeht.

Die schwangere Hagar ergreift die Flucht und begibt sich in die Wüste. Dort findet sie der Engel und fragt sie, was sie hier tut. Sie berichtet, dass sie der Herrin davongelaufen sei. Er redet ihr zu, dass sie zurückgehen und alles ertragen soll. Dafür verspricht er ihr die Geburt eines Sohnes, dessen Nachkommenschaft unzählbar groß werden soll. Sein Name „Ismael“ bedeutet übersetzt „Gott hört“ und zeigt, dass Gott die Not der Hagar anerkannt hat und ihrem Leben eine Richtung geben will, dort wo sie nicht mehr weiter weiß.

Wir finden hier eine Frau in einer Situation, in der sie hilflos ist und den eigenen Weg nicht mehr erkennen kann. Sie trägt ein Kind und kennt den Vater, doch sie ahnt, dass ihr als Frau keine wirkliche Anerkennung zuteilwird, wenn dieses Kind zur Welt kommt. Der Engel rät ihr zu, das harte Los zu ertragen, weil sie damit einen Stamm begründen wird. Das Fazit dieser Bibelstelle könnte lauten: Manches müssen wir Menschen im Leben aushalten, damit etwas Gutes daraus erwachsen kann.