Jakob, der Sohn Isaaks, blickt auf einen schwierigen Lebensweg zurück. Erst hat er seinem Bruder das Erstgeburtsrecht gegen ein Linsengericht abgeschwatzt und sich danach mithilfe der eigenen Mutter den für Esau bestimmten Segen erschlichen, indem er seinen blinden Vater ausgetrickst hat. Dass er die Flucht ergreift, ist kein Wunder, schließlich ist Esau sehr erbost über den Betrug. Doch ein einmal gegebener Segen kann leider nicht zurückgenommen werden.

Innerer Widerstand

So flieht der Betrüger zu seinem Onkel Laban, ist weit weg von zu Hause und bereut unterwegs, den Bruder so schmählich betrogen zu haben. Der Weg ist weit und nicht innerhalb einer Tagesreise zu bewältigen.

Jakob bleibt nichts anderes übrig, als seinen Kopf auf Felsen zu betten. Im Traum begegnen ihm in der Nacht Engel, die auf einer Leiter in den Himmel steigen und die Stimme Gottes verspricht ihm Unterstützung trotz des Betrugs. Gott sagt ihm zu, dass er bei Jakob bleiben wird und ihn eines Tages in das Land seiner Geburt zurückführen will.

Der Stein, auf dem Jakob diese Nacht verbracht hat, wird ihm zum Ort eines Schwurs: Wenn er heil zurückkehrt, will er dort ein Gotteshaus errichten und Gott den zehnten Teil seiner Habe opfern.

Jakobs Leben bleibt kompliziert. Er wird von Laban in Dienst genommen und will später dessen Tochter Rachel heiraten. Der Onkel jedoch strebt danach, erst Lea an den Mann zu bringen. So schmuggelt er seine hässliche Ältere in Jakobs Bett. Jahre später erhält Jakob auch Rachel zur Frau und will in das Land seiner Väter zurück. Nur durch eine List erhält er vom Onkel Vieh als versprochenen Lohn und macht sich mit seinem Gefolge auf die Reise.

Je näher er der Heimat kommt, desto größer wird die Angst vor seinem Bruder, der Jakob mit großer Gefolgschaft entgegenkommt. So teilt Jakob das eigene Lager in zwei Hälften auf, damit bei einem Kampf eine Hälfte verschont bleibe. Er sucht aus seiner Habe großzügige Geschenke aus, die er Esau überreichen will, und schickt ihm einen Boten. In der Nacht zieht er mit einem Teil seines Lagers weiter, doch er wird am Fluss von einem Wesen aufgehalten, mit dem er einen ermüdenden Kampf führt. Am Ende, als keiner der beiden den Sieg davon tragen kann, bittet er um den Segen. Es ist der Segen Gottes, der ihm einst versprochen wurde und den er auch erhält, ehe er von seinem Bruder freundlich in Empfang genommen wird.

Was ist nun der Kern dieser langen Geschichte, an deren Ende ein heftiger Kampf steht? Im Laufe der Jahre scheint die Angst vor Esau in Jakob bis ins Unermessliche gewachsen zu sein. Er traut dem Bruder zu, nicht nur ihn, sondern alles zu vernichten, was Jakob gehört. In der Nacht, bevor sie einander gegenübertreten, muss er einen harten Kampf bestehen.

Viele Menschen kennen das: Sie wissen, dass sie sich ins Unrecht gesetzt, dass sie jemanden verletzt haben. Sie halten ihr Vergehen für so groß, dass es unverzeihlich ist. Doch es geht um die ausgestreckte Hand, die Entschuldigung, zu der sie sich in einem innerlichen Kampf durchringen müssen, um Verzeihung zu erhalten. Es braucht die Hilfe eines Engels, um das zu erkennen. Die Erfahrung mit dem Engel ist mit der inneren Einsicht zu vergleichen, dass ich um Verzeihung bitten und meine Schuld eingestehen muss, bevor mir verziehen werden kann.