Maria Magdalena ist voller Trauer. Ihr Freund, dem sie gefolgt ist, ist einen grausamen Tod gestorben. Sie muss ihr zukünftiges Leben ohne ihn weiterleben. Jeder, der schon einmal einen Menschen an den Tod verloren hat, hat erfahren, wie schlimm und niederdrückend das ist, kennt dieses Gefühl der absoluten Ohnmacht angesichts des Todes.

Engel am Grab

Wie in allen Kulturen versucht sie dem Körper ihres Freundes einen letzten Dienst zu erweisen, mehr ihr selbst zum Trost als ihm. Sie ist zwar nicht allein, als sie das Grab besucht, aber bestimmt fühlt sie sich trotzdem alleingelassen. Und dann kommt das größere Drama. Die Leiche Jesu ist fort. Sie kann hier nichts mehr für ihn tun, kann nicht Abschied nehmen von ihm. Darüber tröstet sie auch der Engel nicht hinweg, der ihr sagt, dass Jesus nicht hier zu finden ist. Die Endgültigkeit des Todes verbietet ihr, dem Engel zu glauben, wovon er spricht. Jesus kann nicht vorausgegangen sein.

Im Johannesevangelium stellt sich diese Situation anders dar. Dort ist es Jesus, mit dem Maria Magdalena spricht, doch sie erkennt ihn nicht. Sie hält ihn für den Gärtner und bittet ihn, ihr zu sagen, wo der Leichnam Jesu ist. Doch es reicht ein einziges Wort von ihm, das sie erkennen lässt, mit dem sie es zu tun hat. Aber auch in dieser biblischen Erzählung der Auferstehung kann sie ihn nicht festhalten, so gerne sie sich auch an ihn klammern möchte. Er selbst bittet sie, ihn nicht festzuhalten, indem er sagt "Rühr mich nicht an".

Zu glauben, dass uns Menschen Engel begegnen, die uns Grüße von unseren Toten ausrichten, wäre weit hergeholt. Obwohl es das Wissen rund um das Channeling gibt, mit dem genau das theoretisch möglich ist.

Was Maria Magdalena erfährt, ist aber etwas anderes. Ihre Verbindung mit dem geliebten Menschen hält über den Tod hinaus an, sie kann ihr von niemandem genommen werden. Wenn auch die Person nicht mehr mit uns leben kann, leben wir doch von allem, was wir gemeinsam erlebt haben und das kann uns über einen Verlust hinweg trösten.