Gehorsam - ein Wort, das uns in unserer aufgeklärten Zeit nicht so leicht über die Lippen kommen will. Und doch wird gerade diese Eigenschaft bei uns Menschen von Kindheit an eingefordert. Gehorsam gegenüber den Eltern, Lehrern und allen, die Zeit unseres Lebens über uns stehen und uns etwas zu sagen haben.

Blinder Gehorsam

Wenn wir erwachsen sind, halten wir uns für selbstbestimmt und unterliegen doch so vielen unsichtbaren Zwängen, von denen wir uns gar nicht befreien können. So geht es auch dem Abraham in der Bibel.

Nach vielen Jahren hat Abraham endlich einen Sohn bekommen. Damit ist aber nicht der Sohn mit der Magd Hagar gemeint, denn nach dem damaligen jüdischen Recht ist Isaak der einzige Nachkomme.

Abraham ist glücklich, so wie sein Leben sich entwickelt hat, auch wenn er lange darauf warten musste. Nun spricht Gott zu ihm und verlangt etwas, das schlimmer nicht sein könnte: Er soll seinen Sohn auf dem Altar opfern - das Leben seines Kindes hingeben für den Gott, an den Abraham glaubt. Und was tut Abraham? Er scheint nicht zu zögern und dem Ruf des Herrn bedingungslos zu folgen.

Was würden wir tun, wenn jemand so etwas von uns verlangen würde? Würden wir nicht auf die Barrikaden gehen, uns sperren und uns schlussendlich verweigern? Selbstverständlich! Aber was ist es eigentlich, das Gott von Abraham will? Geht es tatsächlich um das Leben eines unschuldigen Kindes? Wäre eine ähnliche Forderung von Abraham gekommen, hätten wir erkannt, dass dieser etwas wie einen Gottesbeweis fordert. Welchen Beweis will also Gott im umgekehrten Fall von Abraham?

Im späteren Verlauf erscheint in der Szene der Engel und spricht mit Gottes Stimme. Er hindert Abraham daran, Isaak zu töten. Gott hat Abraham ausgewählt als das Fundament eines ganzen Volkes. Seine Nachkommenschaft wird größer sein als die Sterne am Himmel, als die Sandkörner am Ufer des Meeres.

Und Gott macht damit auch Abraham klar, dass er kein Gott ist, der den Tod eines anderen verlangt, weder den eines Menschen, noch eines Tieres. Das unterscheidet ihn von den Göttern, zu denen die Menschen bisher gebetet haben. Dieser Gott gewährt seine Liebe ohne Gegenleistung. Er will, dass die Menschen sich zu ihm hinwenden, seinem Wort folgen und ihm auf diese Weise gehorchen.